Montag, 20. August 2012

Reisereportagen: Hampi




Bei meinem dritten Besuch in Goa habe ich es endlich zur Ruinenstadt Hampi geschafft. Transportmittel der Wahl war ein Nachtbus – eines dieser Ungetüme, die in unseren Breitengeraden längst von den Straßen verschwunden wären. Die Stoßdämpfer hatten längst ihre Funktion eingebüßt und gaben die unzähligen Schlaglöcher generös an die Fahrgäste weiter, was speziell Im Heck des Busses dazu führt, dass man immer wieder die Bodenhaftung verliert. Und so braucht der Bus für die etwa 200 km nach Hampi fabulöse neun Stunden – das überrascht aber eher den Indienneuling. Auf meiner ersten Tour durch Indien hatten mich die unendlichen Busfahrten von Kaschmir bis hinunter nach Goa ein wenig abgehärtet. Gewöhnung wäre aber ein zu starkes Wort. Es ist und bleibt ein Abenteuer auf indischen Straßen unterwegs zu sein…

Hampi ist heute eine sehr überschaubare Ortschaft im Herzen Karnatakas, dem südlich und östlich zu Goa angrenzenden Bundestaat Indiens. Es ist geprägt vom Tourismus; zahllose Gasthäuser, Restaurants und Souvenirläden bestimmen das Stadtbild; gleichzeitig ist Hampi noch immer ein wichtiger Pilgerort. In den Abendstunden ist der Virupaksha-Tempel im Zentrum der Stadt reich geschmückt, erfüllt von Trommel- und Glockenklängen und Kerzenschein – die spirituelle Atmosphäre überträgt sich unweigerlich auf den Besucher.




Hampi war die Hauptstadt des untergegangenen Vijayanagar-Reiches, einer hinduistisch geprägten Kultur von beachtlicher Größe. So gehen Schätzungen davon aus, dass alleine in der Hauptstadt zwischen 200000 und 500000 Menschen gelebt haben sollen. Mehrere Dynastien hatten hier in der  Zeit von 1336 bis 1564 ihre Hauptstadt. Hampi, das damals wie das Reich Vijayanagar hiess, stieg zum bedeutendsten Zentrum von Handel, Kultur und Religion in Südindien auf. Davon zeugen auch heute noch die verbliebenen Ruinen riesiger Bazare.
1564 fielen Moslemheere aus dem Norden Indiens ein und schlugen die Armee von Vijayanagar vernichtend und die Hochkultur verschwand vollständig von der Bildfläche. Die Überreste der riesigen Tempelanlagen wurden erst vor 100 Jahren von der Öffentlichkeit wiederentdeckt. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der Dschungel die Ruinen zurückerobert und die Tempel waren weitestgehend in Vergessenheit geraten. Seit 1986 gehören sie zum Weltkulturerbe der UNESCO.
Die unzähligen Tempel sind auf einem insgesamt 25 qkm großen Areal verstreut und von einer surrealen Felslandschaft aus Granit umgeben. Viele dieser Felsen sind von einer solchen Größe und so bizarr angeordnet, dass man leicht nachempfinden kann, warum dieser Ort zu einer Kultstätte wurde. Ein Ort, der die Phantasie beflügelt.






In der Umgebung finden sich Bananenplantagen, Reisfelder und Dschungellandschaften, die durch den Tunghabhadra-Fluss bewässert werden. Während meines Aufenthalts im März und bereits unglaublich heiß. So bot der Fluss eine willkommene Abkühlung für die Einheimischen und die Besucher.



 


Der Affengott Hanuman

Eine riesige Population von Makaken (Affen mit silbergrauem Fell) bevölkert Stadt und Tempelanlagen. Die Affen gelten als heilig und genießen eine besondere Verehrung in Indien. Dem Affengott Hanuman ist ein Tempel auf einer Anhöhe gewidmet. Im Epos Ramayana wird Rama im Kampf gegen den Dämonenkönig Ravana, von dem Affenkönig Sugriva und seinem Affenheer und dem weisen und tapferen Affen Hanuman unterstützt. Viele Hindus setzen die Kultbauten in Hampi mit dem legendären Affen-Königriech Kishkinda gleich.


Bildnis von Hanuman


Hanuman-Tempel

Besonders genoss ich die wunderbaren Sonnenuntergänge von den vielen Anhöhen der Umgebung. Man genießt einen Rundumblick über die Umgebung: endlose Steinformationen, die im Wiederschein der letzten Sonnenstrahlen leuchten. Dazwischen strahlen tropische Landschaften in verschiedenen Grünschattierungen. So kommt es auch, dass viele Reisende deutlich länger bleiben als ursprünglich geplant und wochenlang zu diesen Aussichtsplätzen pilgern.



Ein besonderes Erlebnis war für mich, als ich am Rande eines Tempels völlig unverhofft zu einer Puja (ein Hindu-Zeremoniell) eingeladen wurde. Eine etwa 40-köpfige Gemeinschaft war hier versammelt. Sie stammte aus einem 100km entfernten Dorf. Sie erzählten mir, dass sie alle 3-4 Monate nach Hampi kommen, um drei Tage lang die Götter zu ehren, zu essen, zu reden, zu feiern und draußen zu übernachten. Ich wurde sogleich „adoptiert“, neugierig ausgefragt und zum Essen eingeladen. Eine ältere Dame ließ es sich nicht nehmen, mir in viel zu kurzen Intervallen große Portionen direkt in den Mund zu schieben - unter großem Gelächter der Anwesenden. Ein Zeichen von großer Sympathie.Ein Ort, den ich gerne einmal wiedersehen würde...




Kommentare:

  1. Herzlichen Dank für diesen tollen Post, der mir Asien schmackhaft macht. Bisher war ich ja vor allem in der westlichen Welt unterwegs mit einigen wenigen Ausnahmen, aber dein Blog macht mich neugierig. Weiter so! Ich werde sicher noch öfter hier vorbei schauen.

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  2. Vielen Dank für die schöne Rückmeldung! Ich habe tatsächlich mein Herz an Asien verloren so sehr es mich auch in andere Weltregionen zieht - bislang hat immer Asien das Rennen gemacht...
    Dafür habe ich wiederum von der "westlichen Welt" verhältnismßig wenig gesehen. Schon ein bisschen skuril - aber ist doch spannend wenn sich verschiedene Schwerpunkte ergänzen...
    Wenn ich Wege gefunden habe, dann hole ich die näherliegenden Ziele nach...
    Jederzeit willkommen! Beste Grüsse!

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  3. Wieder einmal interessante Bilder, Kultur und Beschreibungen. Ich sehe Asien jetzt auch mit anderen (neuen) Augen die neugierig machen. Danke! waltraud a.

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  4. Fantastische Bilder mein Freund, you´ve got it!!!!

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    1. Herzlichen Dank, Dani! Das freut mich sehr. Hoffentlich sehen wir uns bald wieder... Oli

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